Andacht – ´Gedanken zum Auftanken´

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht
dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an
dem, was man nicht sieht“
(Hebräerbrief 11, 1, Monatsspruch Mai)

Liebe Menschen in unserer Kirchengemeinde,

immer haben sich Menschen gefragt, wie sie definieren können,
was Glauben eigentlich ist. Denn so unterschiedlich
wie wir sind, so unterschiedlich glauben wir auch.
Die Form, in der wir unseren Glauben leben, ist sehr verschieden, viele brauchen das gemeinsame Bekenntnis,
andere leben ihren Glauben lieber sehr privat. Und wenn wir gemeinsam formulieren sollten, welche Inhalte unseren Glauben ausmachen, bräuchten wir wahrscheinlich lange, bis wir zu einem verbindlichen Ergebnis kämen. Dabei sollte doch alles so klar sein, schließlich hat Jesus doch vorgelebt, was Glaube bedeutet. Aber wie schnell wir ins Stottern kommen, merken wir vor allem dann, wenn wir unseren Glauben rechtfertigen sollen vor Menschen, die dem ganzen sehr skeptisch gegenüberstehen.
Und in unseren Zeiten, in denen wir alle so stolz sind auf das, was menschliches Denken alles zu leisten im Stande ist, geraten wir oft in eine Verteidigungsstellung nach dem Motto: Glauben tun nur die ohne Verstand, die Menschen mit Verstand kommen ohne Glauben aus. Dabei haben wir kein Problem damit, von Vornherein zuzugestehen, dass wir eben glauben und nicht wissen, so wie es der sehr kluge Schreiber des Hebräerbriefes sagt: Unser Glaube ist ein sehr festes Vertrauen auf das, was wir erhoffen. Und ja, es gibt die Zeiten, in denen wir alle Wenn und Aber einfach mal hintenanstellen und nicht zweifeln, auch
wenn unser Verstand uns etwas anderes einreden will. Das ist die Natur des Glaubens. Gut wäre nur, wenn alle die, die nicht an einen Gott glauben, zugestehen könnten, dass sie auch nur glauben. Denn genauso wenig, wie wir die Existenz eines Gottes beweisen können, können sie beweisen, dass es Gott nicht gibt. Egal auf welcher Seite wir sind, glauben tun wir alle. Sich das gegenseitig zuzugestehen, ist die Grundvoraussetzung für
den wichtigen gegenseitigen Respekt. Wir brauchen an diese Diskussionen jedenfalls weder mit Angst noch mit Hochmut heranzugehen. In unserem festen Vertrauen und Nichtzweifeln
ist eines gewiss: Unser Gott, auf den wir unser Vertrauen setzen, erträgt das alles.

Mit den besten Wünschen für Sie grüße ich herzlich,
Ihr Jörg Wolke